In der medialen Berichterstattung wurde dies teilweise als „Abschaffung des Worst-Case-Szenarios“ dargestellt. Diese Interpretation greift jedoch zu kurz: Es werden keine Klimarisiken reduziert, sondern die zugrunde liegenden Annahmen auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse weiterentwickelt. Die regelmäßige Überprüfung und Anpassung von Szenarien auf Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse ist ein etablierter Bestandteil des wissenschaftlichen Prozesses.

Klimaszenarien sind keine Vorhersagen

Zentral für das Verständnis ist: Klimaszenarien sind keine Vorhersagen, sondern beschreiben mögliche Entwicklungspfade.

Sie bilden unterschiedliche sozioökonomische Entwicklungen und Emissionspfade ab und er-möglichen so eine systematische Analyse sowohl optimistischer als auch extremer Zukunftsverläufe. In der Praxis werden daher mehrere Szenarien parallel betrachtet (z. B. SSP1-2.6, SSP2-4.5, SSP5-8.5), um Unsicherheiten angemessen zu berücksichtigen und robuste Entscheidungen zu ermöglichen.

Im Zuge der Entwicklung von CMIP7 werden neue Szenarien definiert und bestehende Ansätze verfeinert. Die neuen Hoch-Emissionsszenarien („High“-Szenarien) orientieren sich stärker an heute als plausibel eingeschätzten Entwicklungen und berücksichtigen aktuelle Trends wie den Ausbau erneuerbarer Energien. Frühere Extremszenarien wie SSP5-8.5 werden zunehmend als weniger wahrscheinlich eingeschätzt, bleiben jedoch weiterhin relevant für die Analyse von Extremrisiken. Trotz Anpassungen bleibt eine globale Erwärmung von über 3 °C weiterhin möglich. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Niedrig-Emissionsszenarien, da das 1,5 °C-Ziel zunehmend schwer erreichbar erscheint.

Unverändert bleibt jedoch die Bedeutung bestehender Szenarien: Sie werden weiterhin insbesondere für die Analyse von Extremrisiken herangezogen. SSP5-8.5 wurde bereits bei seiner Entwicklung als bewusst extremer Referenzpfad konzipiert, um die potenziellen Auswirkungen einer sehr starken Erwärmung sowie die damit verbundenen Klimarisiken zu untersuchen. Auch wenn einzelne Szenarien heute als weniger wahrscheinlich eingeschätzt werden, behalten sie ihre zentrale Funktion als Stresstest-Instrumente.

Vorgeschlagene Szenarien für CMIP7 Klimaszenarien Artikel Abbildung

Vorgeschlagene Szenarien für CMIP7, dargestellt als (a) Zeitverläufe der Treibhausgasemissionen für jedes der vorgeschlage-nen Szenarien (basierend auf GWP-100) und (b) die damit verbundenen globalen Durchschnittstemperaturen unter Verwen-dung des im IPCC AR6 verwendeten probabilistischen FaIR-Ensembles. Quelle: Van Vuuren et al. (2026), The Scenario Model Intercomparison Project for CMIP7 (ScenarioMIP-CMIP7), Geoscientific Model Development, CC BY 4.0, https://doi.org/10.5194/gmd-19-2627-2026

Bedeutung für EU-Taxonomie und Klimarisikoanalyse

Für Klimarisikoanalysen im Rahmen der EU-Taxonomie ergeben sich durch die neuen CMIP7-Szenarien derzeit keine grundlegenden Änderungen. Die Anforderungen der EU-Taxonomie und der zugehörigen Leitlinien verlangen weiterhin die Berücksichtigung verschiedener plausibler Klimazukünfte, einschließlich eines Szenarios mit hoher Erwärmung.

Wir verfolgen die wissenschaftliche Weiterentwicklung der Klimaszenarien kontinuierlich und integrieren neue Datensätze und Methoden in unsere Modelle, sobald diese verfügbar und validiert sind. Dadurch stellen wir sicher, dass unsere Klimarisikoanalysen stets den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen.

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